Mittwoch, 25.08.2010 Grimstad & die Suche nach den Elchen: Motorrad-Abenteuer in Südnorwegen

Heute ist wieder ein Reisetag. Wir wollen uns den Südosten ansehen und verlegen daher unser ‚Basislager‘ etwas weiter östlich.

Mit Fiesta und Hänger

Nach dem Frühstück verlade ich die XT auf den Hänger und unser restliches Hab und Gut in den Fiesta. Es nieselt ganz leicht, das macht es einfacher, das Motorrad gegen das Auto zu tauschen.
Der Weg nach Kvinestal ist uns schon bekannt, ab hier nehmen wir die Strecke durch das Galdal, die ist für uns neu.
Oben angelangt, biegen wir rechts auf die 42 ab, die uns nach Eiken und dann weiter Richtung Evje führt.
Kurz hinter Mykland werden wir fündig und beziehen unser neues Quartier, diesmal bestehend aus einem großen Wohnzimmer mit Kochgelegenheit und zwei kleinen Schlafräumen. 400 NOK will der Besitzer dafür haben und macht uns das Ganze schmackhaft mit dem Hinweis auf den See nebenan, wo ich fischen könnte und der Information, dass keine 2km von hier an sich immer bei Einbruch der Dämmerung Elche zu sehen wären.

Wir sind noch früh dran, deshalb entschließen wir uns, gleich nach dem Einräumen der Hytter noch eine Tour mit der XT zu machen. Schon weit vor Evje klarte das Wetter auf und wir haben strahlenden Sonnenschein und weiß-blauen Himmel.

Schrauben in der Wildnis: Notfall-Reparatur an der XT550

Bevor wir die Stadt erkunden konnten, stand eine längst fällige Reparatur an meiner Yamaha an. Die Schotterpisten Norwegens hatten ganze Arbeit geleistet: Eine Schraube der rechten Fußrastenhalterung hatte sich losgeschüttelt und ist verloren gegangen. Da hier auch der Kofferträger befestigt ist, war schnelles Handeln gefragt. Seit über einem Jahr hat es gehalten, die Schotterstrecken hier in Norwegen waren stärker. Womöglich hat sie einer der Trolle benötigt.

Improvisation ist alles: Die Eisensäge aus dem Supermarkt

In Norwegen einen Baumarkt zu finden, ist gar nicht so einfach. In einem Vollsortimentsladen wurden wir schließlich fündig – zwar keine passende Schraube, aber eine Eisensäge. Mit dieser kürzte ich eine vorhandene, viel zu lange Schraube um 20 mm und ersetzte mein Kabelbinder-Provisorium durch eine solide Verschraubung.

Schrauber-Tipp: Auf Schottertouren sind Vibrationen dein größter Feind. Kontrolliere täglich die tragenden Schrauben (Fußrasten, Kofferträger). Nicht immer bekommt man die benötigten Teile. Dann hilft nur improvisieren. Aber hey: Das macht den Charm des Reisens doch letztendlich aus.

Grimstad: Sightseeing in der Stadt der Dichter

Wir folgen der 41 nach Süden bis wir diese beim Herefossfjorden in östlicher Richtung und fahren über eine Schotterstraße nach Grimstad. Die Stadt ist weit über die Grenzen Norwegens hinaus bekannt, da hier die großen Literaten Henrik Ibsen und Knut Hamsun lebten und wirkten.

Motorrad-Parken und maritimes Flair

Hier finden wir einen extra ausgewiesenen Parkplatz für Motorräder direkt am Hafen, dieser ist jedoch schon von etlichen Harleys besetzt. Wir stellen uns nebenan auf einen freien Autoparkplatz, sichern die Helme mit dem Skischloss und machen uns auf Entdeckungsreise. Hatten bei der Einfahrt nach Grimstad noch etliche Geschäfte die Türen offen, so finden wir diese nun verschlossen. Hat aber nichts mit uns zu tun (so behaupten wir jedenfalls) sondern ist auf die Ladenöffnungszeiten zurückzuführen.

So fällt halt das Shoppen aus, es bleibt beim Sightseeing. Na ja, nicht ganz: Wir finden doch noch einen offenen Supermarkt, wo Elisabeth eine Tüte mit Shrimps fürs Abendessen ersteht.

Der Himmel zieht plötzlich bedrohlich zu und mahnt zur Heimfahrt. Über die 407 halten wir uns nördlich, dann biegen wir bei Blakstad auf die 42 ein. Ab hier weht ein kräftiger, böiger Seitenwind, der meine volle Aufmerksamkeit erreicht. Mit vermindertem Tempo legen wir die letzten 20km zurück. An der Hytter angekommen, versuche ich Feuer zu machen, hier gibt es einen eisernen Jötul-Ofen und jede Menge Birkenholz zum Anheizen. Das will mir nur schwer gelingen, erst als ich frisches Holz hole, fängt der Ofen an zu bullern und strahlt alsbald eine wohlige Wärme aus.

Elchsafari auf eigene Faust: Auf der Pirsch in Mykland

Nach unserer Rückkehr und einem schnellen Abendessen mit frischen Shrimps lockte uns die Dämmerung wieder nach draußen. Unser Hytterwirt hatte uns den Tipp gegeben, dass nur 2 km entfernt regelmäßig Elche zu sehen seien.

Die Suche nach dem „König der Wälder“

Mit dem Auto machten wir uns auf unsere ganz persönliche Elgsafari. Wir folgten den einsamen Schotterwegen bei Mykland tief in den Wald.

  • Die Herausforderung: In der tiefen Dämmerung verschmelzen die graubraunen Riesen fast perfekt mit dem Unterholz.

  • Das Ergebnis: Auch wenn uns das Glück an diesem Abend nicht direkt hold war und die Elche sich im Dickicht verbargen, ist das Erlebnis, in absoluter Stille auf der Pirsch zu sein, unbeschreiblich. Wer Elche sehen will, braucht Geduld und den richtigen Moment.

Gemütlichkeit am Jötul-Ofen

Der Tag endete, wie er für einen Norwegen-Trip typisch ist: Mit prasselndem Birkenholz im eisernen Jötul-Ofen. Es dauerte einen Moment, bis das frische Holz richtig bullerte, aber dann strahlte die Hytte eine wohlige Wärme aus – der perfekte Ort, um die Erlebnisse des Tages Revue passieren zu lassen.

Kategorie Details
Route Grimstad – Blakstad – Mykland
Technik-Check Fußrasten-Verschraubung an XT550 instandgesetzt
Highlight Maritimes Flair in Grimstad & Dämmerungspirsch
Unterkunft Hytte mit traditionellem Jötul-Ofen