220W Solaranlage auf dem VW T4: Eure Fragen & meine Praxis-Erfahrungen

Strom im Camper ist für mich mehr als nur Luxus – er ist Arbeitsgrundlage. Als Fotograf z.B. werde ich oft gefragt, wie ich unterwegs meine Akkus für Kameras und Drohnen lade, ohne ständig am Landstrom zu hängen.

Da zu meinem Setup immer wieder detaillierte Rückfragen kommen, habe ich hier meine Erfahrungen zusammengefasst: Ein 220 Watt High-Voltage Solarmodul auf dem Aufstelldach, kombiniert mit Victron-Technik und einer LiFePO4-Batterie.

In diesem Beitrag zeige ich Dir meine exakten Einstellungen und warum ich auf hohe Spannungen statt hoher Stromstärken setze.

Das Setup im Überblick

  • Fahrzeug: VW T4 mit Aufstelldach
  • Solar: 1x 220W High-Voltage Modul (Schindel-Technologie)
  • Regler: Victron SmartSolar MPPT 75/15
  • Ladebooster: Victron Orion-Tr Smart 12/12-30
  • Speicher: 140Ah LiFePO4 (Power Queen)
  • Ertrag: Sommer ca. 700–1000 Wh/Tag | Winter ca. 5–150 Wh/Tag

Warum High-Voltage Solar auf dem T4?

Das Dach des VW T4 ist vergleichsweise klein, und durch Dachträger oder ungünstiges Parken entsteht schnell Teilverschattung. Normale 12V-Paneele brechen hier oft komplett ein.

Ich habe mich daher bewusst für ein High-Voltage Modul entschieden. Diese Module liefern eine deutlich höhere Spannung (oft über 40V Leerlaufspannung). Der Vorteil: Der Victron MPPT Regler benötigt eine Spannung, die 5V über der Batteriespannung liegt, um den Ladevorgang überhaupt zu starten. Mit einem High-Voltage Modul erreicht die Anlage diesen Punkt morgens viel früher und abends viel länger als Standard-Module. Selbst bei bewölktem Himmel kommt so noch nutzbarer Ladestrom in der Batterie an.

Die Victron-Komponenten und ihre Vernetzung

Das Herzstück meiner Anlage sind der SmartSolar MPPT 75/15 und der Orion-Tr Smart Ladebooster. Beide Geräte kommunizieren in meinem Setup idealerweise über das Victron VE.Smart Networking (via Bluetooth). Das erlaubt es, Spannungsverluste auszugleichen und Temperaturdaten zu teilen, sofern ein Smart Battery Sense oder SmartShunt verbaut ist.

Der Ladebooster ist im T4 essenziell, da er die Lichtmaschine schützt und die LiFePO4-Batterie während der Fahrt mit der korrekten Kennlinie lädt – etwas, das ein einfaches Trennrelais nicht leisten kann.

Meine MPPT-Einstellungen für LiFePO4

Hier wird es technisch, aber das ist der entscheidende Teil für die Lebensdauer der teuren Lithium-Batterie. Ich nutze zwei verschiedene Profile, je nachdem, wie ich den Bus gerade nutze.

Profil 1: Reisebetrieb (Maximale Autarkie)

Wenn ich unterwegs bin und jeden Tag Strom für Kühlbox und Kamera-Equipment brauche, lade ich die Batterie voll.

  • Battery Type: User Defined
  • Absorption Voltage: 14.2V
  • Float Voltage: 13.5V
  • Absorption Time: 1 Stunde
  • Re-bulk Voltage: 13.2V
  • Equalization: Aus (Wichtig bei LiFePO4!)
  • Temperaturkompensation: Aus

Dieses Profil sorgt dafür, dass die Batterie zügig voll wird und die 140Ah Kapazität komplett genutzt werden können.

Profil 2: Schonmodus (Standzeit / Lagerung)

Lithium-Batterien mögen es nicht, wochenlang bei 100% Ladung herumzustehen. Das stresst die Zellen. Wenn der T4 vor dem Haus steht, wechsle ich in der App auf dieses Profil:

  • Absorption Voltage: 13.6V – 13.7V
  • Float Voltage: 13.4V
  • Absorption Time: 30 Minuten

Mit diesen reduzierten Spannungen pendelt sich der Ladestand (SOC) etwa bei 80% ein. Das verlängert die Lebensdauer der Batterie erheblich.

Praxiswerte: Verbrauch und Ertrag

Theorie ist gut, Praxis ist besser. Was leistet die 220W Anlage wirklich? Hier eine ehrliche Bilanz meines Energiehaushalts.

Mein täglicher Verbrauch

  • Kompressor-Kühlbox: ca. 300 Wh (bei sommerlichen Temperaturen)
  • Standheizung (Nachtbetrieb): ca. 160 Wh
  • Licht, Wasserpumpe, Kleingeräte: ca. 80 Wh
  • Wechselrichter (Laptops/Kameras laden): ca. 70 Wh
  • Gesamtbedarf: ca. 600 Wh pro Tag

Der Solarertrag in Deutschland

  • Sommer (Juni-August): Die Anlage liefert zuverlässig zwischen 700 und 1000 Wh pro Tag. Ich bin komplett autark und die Batterie ist meist mittags wieder voll.
  • Übergangszeit (Frühling/Herbst): Hier kommen 250 bis 500 Wh zusammen. Das reicht oft nicht ganz, um den Verbrauch zu decken, aber es verlängert die Standzeit auf 3-4 Tage ohne Fahren.
  • Winter: Hier muss man realistisch bleiben. An guten Tagen sind 80–150 Wh drin, bei grauer Suppe oft nur 5–60 Wh. Im Winter ist der Ladebooster (Fahren) meine Hauptenergiequelle.

Zusammenfassung

Das Upgrade auf das 220W High-Voltage Modul war für meinen T4 die absolut richtige Entscheidung. In Kombination mit der präzisen Steuerung durch die Victron-Geräte habe ich ein System, das ich weitgehend „vergessen“ kann. Es funktioniert einfach.

Auch für meine Arbeit als Fotograf gibt mir das die nötige Sicherheit. Ich muss nicht mehr ständig auf die Voltanzeige starren, sondern kann mich auf das konzentrieren, weswegen ich eigentlich losgefahren bin: Gute Bilder und das Unterwegssein (sowieso 😉 ).

Fred

Fred ist ein Fernwehgeplagter mit einem vielfältigen Portfolio: Unterwegs mit dem Motorrad, dem Auto, dem Camper... Als Fotograf versucht er, die Welt durch seine Linse einzufangen und mit seinen Worten zu beschreiben. Im Laufe des Lebens hat er sich immer wieder neu erfunden, verschiedene Berufe gelernt oder sich Wissen und Können selbst angeeignet. Auf XTramp.de vereint er diese Leidenschaften: Er dokumentiert seine kleinen, budgetfreundlichen Auszeiten und liefert gleichzeitig detaillierte, praxisnahe Anleitungen aus seiner Werkstatt – vom Schrauben an Motorrädern oder Autos, über Schreinern, Metallbau, Hochbau, Elektrik und Elektronik bis hin zu 3D-Druck-Projekten. Sein Ziel ist es, zu zeigen, dass Abenteuer und technisches Know-how für jeden zugänglich sind.