Es gibt Bücher, die stehen bei mir nicht einfach nur im Regal. Sie riechen nach Abenteuer, nach Motoröl und nach der dünnen, klaren Luft auf über 2.000 Metern Höhe. Für mich war der „Große Alpenstraßenführer“ genau so ein Buch.
Vier Jahrzehnte Abenteuer
Seit 1978 bin ich nun schon mit dem Motorrad unterwegs. Immer getrieben von dieser unstillbaren Neugier auf die Welt da draußen, immer auf der Suche nach dem, was hinter dem Horizont liegt. Und genau bei dieser Suche war der Denzel immer gut für neue Impulse. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich meine allerersten Touren mit ihm im Tankrucksack geplant habe. Er war mein Kompass in einer Zeit, lange bevor GPS und Apps den Ton angaben. Auch später habe ich immer wieder gerne darin geschmökert, um vielleicht doch noch diesen einen versteckten Pass oder eine vergessene Militärstraße zu entdecken, die ich noch nicht kannte.
Doch jetzt heißt es Abschied nehmen: Der Denzel geht in Rente – unser Miotorradfahrer Standardwerk ist Geschichte.
Ein Verlag schließt seine Pforten
Ende 2025 hat sich ein Kapitel meiner persönlichen Verkehrsgeschichte geschlossen. Harald Denzel, der Autor und Verleger, hat sich in den Ruhestand verabschiedet. Da sich kein Nachfolger fand, wird der 1952 von seinem Vater gegründete Verlag nicht weitergeführt. Nach über sieben Jahrzehnten schließt der Denzel-Verlag wohl für immer seine Türen.
Das Ende des Klassikers: Es wird keine 29. Auflage des Großen Alpenstraßenführers mehr geben. Die 28. Auflage vom Mai 2021 war der letzte Gruß aus dem Hause Denzel.
Mehr als nur ein Buch: Ein Blick in die Historie
Um zu verstehen, was die Motorradwelt verliert, werfe ich einen Blick zurück. Alles begann mit Eduard Denzel. Der Vater des letzten Verlegers gründete den Verlag 1952 in Innsbruck. Seine Vision war es, den aufkeimenden Alpentourismus der Nachkriegszeit mit verlässlichen Informationen zu versorgen.
Die erste Ausgabe des Alpenstraßenführers erschien 1956. Damals, ich war noch nicht geboren, war das Reisen über die Alpen ein echtes Abenteuer, die Straßen oft kaum mehr als Schotterpisten. Eduard Denzel leistete Pionierarbeit: Er vermaß, dokumentierte und fotografierte.
Das Kernstück seines Erbes ist für mich zweifellos die Denzel-Alpenstraßen-Skala.
Wie oft habe ich nicht voller Stolz berichtet, eine „SG 4“ oder gar „SG 5“ bezwungen zu haben? Diese Schwierigkeitsskala (SG 1 bis 5) wurde für mich zur universellen Maßeinheit. Sie klassifizierte jede Strecke objektiv – von der gut ausgebauten Panoramastraße bis hin zum groben, ausgewaschenen Karrenweg, der mir und meiner XT alles abverlangte.
Was mir bleibt
Der „Denzel“ ist für mich eine Institution. Er führt mich zu landschaftlich reizvollen Zielen, zeigt mir die letzten „wilden Pässe“, ehemalige Militärsträßchen und kuriose Fahrwege im Gebirge. Die zahlreichen Fotos, die präzisen Kartenskizzen und die landschaftlichen Klassifikationen laden mich immer wieder zum Träumen ein, besonders wenn draußen Schnee liegt und das Motorrad in der Garage bleibt.
Ich möchte an dieser Stelle Danke sagen. Danke an die Familie Denzel für über 70 Jahre Leidenschaft, Akribie und wertvolle Tipps, die mir viele wunderbare Stunden in den Alpen beschert haben.
Mit der Einstellung des Alpenstraßenführers verliert die Motorradszene einen geschätzten Helfer, aber die Erinnerungen an die Touren, die er mir seit 1978 ermöglicht hat, bleiben. Ich werde meine alten Ausgaben in Ehren halten – sie sind jetzt Zeitzeugen einer großartigen Ära und meiner eigenen Reise als Motorradfahrer.
26 Dez. 2025
Ende einer Ära: Der Denzel und seine Rolle in meinem Leben
Es gibt Bücher, die stehen bei mir nicht einfach nur im Regal. Sie riechen nach Abenteuer, nach Motoröl und nach der dünnen, klaren Luft auf über 2.000 Metern Höhe. Für mich war der „Große Alpenstraßenführer“ genau so ein Buch.
Inhalt
Vier Jahrzehnte Abenteuer
Seit 1978 bin ich nun schon mit dem Motorrad unterwegs. Immer getrieben von dieser unstillbaren Neugier auf die Welt da draußen, immer auf der Suche nach dem, was hinter dem Horizont liegt. Und genau bei dieser Suche war der Denzel immer gut für neue Impulse. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich meine allerersten Touren mit ihm im Tankrucksack geplant habe. Er war mein Kompass in einer Zeit, lange bevor GPS und Apps den Ton angaben. Auch später habe ich immer wieder gerne darin geschmökert, um vielleicht doch noch diesen einen versteckten Pass oder eine vergessene Militärstraße zu entdecken, die ich noch nicht kannte.
Doch jetzt heißt es Abschied nehmen: Der Denzel geht in Rente – unser Miotorradfahrer Standardwerk ist Geschichte.
Ein Verlag schließt seine Pforten
Ende 2025 hat sich ein Kapitel meiner persönlichen Verkehrsgeschichte geschlossen. Harald Denzel, der Autor und Verleger, hat sich in den Ruhestand verabschiedet. Da sich kein Nachfolger fand, wird der 1952 von seinem Vater gegründete Verlag nicht weitergeführt. Nach über sieben Jahrzehnten schließt der Denzel-Verlag wohl für immer seine Türen.
Mehr als nur ein Buch: Ein Blick in die Historie
Um zu verstehen, was die Motorradwelt verliert, werfe ich einen Blick zurück. Alles begann mit Eduard Denzel. Der Vater des letzten Verlegers gründete den Verlag 1952 in Innsbruck. Seine Vision war es, den aufkeimenden Alpentourismus der Nachkriegszeit mit verlässlichen Informationen zu versorgen.
Die erste Ausgabe des Alpenstraßenführers erschien 1956. Damals, ich war noch nicht geboren, war das Reisen über die Alpen ein echtes Abenteuer, die Straßen oft kaum mehr als Schotterpisten. Eduard Denzel leistete Pionierarbeit: Er vermaß, dokumentierte und fotografierte.
Das Kernstück seines Erbes ist für mich zweifellos die Denzel-Alpenstraßen-Skala.
Wie oft habe ich nicht voller Stolz berichtet, eine „SG 4“ oder gar „SG 5“ bezwungen zu haben? Diese Schwierigkeitsskala (SG 1 bis 5) wurde für mich zur universellen Maßeinheit. Sie klassifizierte jede Strecke objektiv – von der gut ausgebauten Panoramastraße bis hin zum groben, ausgewaschenen Karrenweg, der mir und meiner XT alles abverlangte.
Was mir bleibt
Der „Denzel“ ist für mich eine Institution. Er führt mich zu landschaftlich reizvollen Zielen, zeigt mir die letzten „wilden Pässe“, ehemalige Militärsträßchen und kuriose Fahrwege im Gebirge. Die zahlreichen Fotos, die präzisen Kartenskizzen und die landschaftlichen Klassifikationen laden mich immer wieder zum Träumen ein, besonders wenn draußen Schnee liegt und das Motorrad in der Garage bleibt.
Ich möchte an dieser Stelle Danke sagen. Danke an die Familie Denzel für über 70 Jahre Leidenschaft, Akribie und wertvolle Tipps, die mir viele wunderbare Stunden in den Alpen beschert haben.
Mit der Einstellung des Alpenstraßenführers verliert die Motorradszene einen geschätzten Helfer, aber die Erinnerungen an die Touren, die er mir seit 1978 ermöglicht hat, bleiben. Ich werde meine alten Ausgaben in Ehren halten – sie sind jetzt Zeitzeugen einer großartigen Ära und meiner eigenen Reise als Motorradfahrer.