Es gibt Menschen, die lassen ihr Auto einfach so, wie es vom Band gelaufen ist. Und dann gibt es Leute wie mich. Im Laufe meines Lebens hatte ich immer wieder Ideen, wie ich meine Fahrzeuge mit kleinen Projekten etwas komfortabler und individueller gestalten kann. Dass ich ein paar Jahre in der Entwicklung für Automobilelektronik tätig war, hat diesem Drang sicher nicht geschadet – im Gegenteil, es hat das Verständnis für das Machbare geschärft.
Die zweite Initialzündung für meine Bastelprojekte kam dann mit dem Arduino und seinen Derivaten. Plötzlich gab es preiswerte, einfach zu programmierende Controller mit vielen I/O-Ports und minimalen Baumaßen auf dem Markt. Sie waren prädestiniert dafür, Ideen schnell und kostengünstig umzusetzen. So entstanden über die Jahre diverse Temperaturanzeigen, Zustandsmonitore, Diagnosesysteme oder auch schon mal eine digitale Wasserwaage – mal mit eigenem kleinen Display, mal über einen Webserver direkt auf dem Smartphone.
Die Evolution: Der VW T4 Multivan
Mit dem Ausbau meines VW T4 Multivan änderte sich die Anforderung. Es kamen professionelle Fertigprodukte ins Spiel: Ein MPPT Solarladeregler für die Autarkie, ein Ladebooster für die Fahrt und moderne Batteriesysteme. Ich habe mich bei der Auswahl bewusst für die Modelle von Victron Energy entschieden. Nicht nur wegen ihrer Qualität, sondern vor allem, weil sie über Bluetooth kommunizieren und die Protokolle und Bibliotheken öffentlich verfügbar oder gut dokumentiert sind.
Doch mit der modernen Technik kam auch ein neues Problem: Der „App-Dschungel“.
Warum ein eigenes Dashboard?
Natürlich gibt es für fast jedes Gerät eine kostenlose App. Aber im Alltag im Camper nervt es. Man muss das Handy entsperren, die Victron-App öffnen, warten bis sie sich verbindet, und sieht dann den Ladestrom. Will man wissen, wie kalt es im Kühlschrank ist, muss man die App wechseln. Will man wissen, wie das Wetter draußen ist, braucht man wieder eine andere Anzeige.
Dazu kam der Wunsch nach Automatisierung, den keine Standard-App erfüllen kann (noch Vision):
- Die Standheizung soll basierend auf der echten Außentemperatur gesteuert werden.
- Ein Lüfter soll anspringen, wenn die Luftfeuchtigkeit im Innenraum einen gewissen Wert überschreitet.
So entstand die Idee zum MultivanPi: Ein zentrales Dashboard, das alle wichtigen Daten an einem Ort bündelt, fest im Fahrzeug verbaut ist und sofort verfügbar ist, ohne erst das Smartphone suchen zu müssen.
Die Hardware-Entscheidung: Raspberry Pi statt Arduino
Schnell wurde klar, dass der Arduino für dieses Vorhaben an seine Grenzen kommt. Ich wollte keine simplen Textzeilen auf einem LCD, sondern eine moderne, grafische Oberfläche mit Touch-Bedienung (achtet mal auf die Boxen mit den runden Ecken – ich habe sie hier in meinem Blog eingeführt und in das Projekt übernommen).
Meine Wahl fiel auf den Raspberry Pi 4B. Er bietet genug Rechenleistung für einen vollwertigen Webserver und eine flüssige Darstellung auf hochauflösenden Displays, gibt sich mit passiver Kühlung zufrieden, verbraucht aber wenig genug Strom, um im Camper-Setup zu funktionieren.
Die Kernkomponenten des MultivanPi
- Zentraleinheit: Raspberry Pi 4B mit 4GB RAM
- Display: 5.5 Zoll 2K AMOLED Touchscreen (für gestochen scharfe Darstellung)
- Verbindung: Bluetooth Low Energy (BLE) für Victron & EcoFlow, WiFi für Fernzugriff
- Sensorik: Eigene Sensoren für Neigung (ADXL345), Temperatur (DS18B20) und Luftdruck (BME280)
Der Weg zur Software: Python, HTML und Kiosk-Modus
Die technische Umsetzung folgte einem klaren Prinzip: Stabilität und Ästhetik. Das Dashboard ist keine fertige Software von der Stange, sondern eine Eigenentwicklung.
Im Hintergrund arbeitet ein Python-Backend. Dieses Skript ist das Gehirn des Systems. Es scannt permanent die Umgebung nach den Bluetooth-Signalen der Victron-Geräte (SmartShunt, MPPT, SmartSense) und entschlüsselt die Datenpakete in Echtzeit. Auch die EcoFlow Delta 3 Plus soll hier integriert werden, um den Ladestand der transportablen Powerstation zu überwachen, die ich optional mitführe.
Für die Darstellung habe ich mich gegen komplexe GUI-Frameworks und für klassisches HTML und CSS entschieden (man merkt, ich bin nicht mehr der Jüngste 😉 ). Das Frontend läuft im sogenannten „Kiosk-Modus“ auf dem Chromium-Browser. Das hat riesige Vorteile: Ich kann das Design pixelgenau anpassen. Ich habe mich für ein modernes „Dark Mode“-Design mit hohen Kontrasten entschieden, damit es auch während der Fahrt oder bei Sonnenlicht gut ablesbar ist.
Ein besonderes Feature: Das digitale Nivellieren
Ein Highlight, das ich aus meinen Arduino-Tagen übernommen und verbessert habe, ist die Nivellierungshilfe. Wer schon einmal versucht hat, einen Camper auf Keilen gerade auszurichten, kennt das Rufen zwischen Fahrer und Beifahrer: „Noch ein Stück! Nein, das war zu viel!“.
Im MultivanPi habe ich einen ADXL345 Beschleunigungssensor integriert. Er misst die Neigung des Fahrzeugs präzise. Auf dem Dashboard werden zwei digitale Libellen angezeigt – wie bei einer Wasserwaage. DAs Besondere dabei: Das System rechnet anhand des Radstands und der Spurweite meines T4 genau aus, wie viele Zentimeter ich an welchem Rad unterlegen muss, damit der Bus waagrecht steht und man nachts nicht aus dem Bett rollt.
Zugegeben, für den ‚kleinen‘ T4 ist es vielleicht etwas übertrieben, die eigentliche Idee dahinter ist, das Ganze in einem Crafter L4H3 zu implementieren.
Häufige Fragen (FAQ) zum MultivanPi
Warum hast Du Dich für den Raspberry Pi 4B entschieden?
Für die flüssige Darstellung des Dashboards auf einem 2K-Touchscreen und das gleichzeitige Auslesen mehrerer Bluetooth-Geräte bietet der Pi 4B die nötige Reserven. Ein Pi Zero wäre hier schnell an seiner Leistungsgrenze, besonders im Kiosk-Modus mit Chromium. Ich habe mich bewusst gegen den (aktuelleren) Raspberry Pi 5 entschieden, der braucht viel mehr Strom und kommt nicht wirklich mit einer passiven Kühlung aus.
Wie verbinde ich die Victron-Geräte?
Das ist das Schöne an dieser Lösung: Es müssen keine Kabel gezogen werden! Der Raspberry Pi nutzt seinen integrierten Bluetooth-Chip, um die Daten direkt von den Victron-Geräten (SmartShunt, MPPT etc.) zu empfangen. Man benötigt lediglich die „Encryption Keys“ aus der offiziellen App.
Kann ich das System auch in anderen Campern nutzen?
Absolut. Die Software ist modular aufgebaut. Wer keine EcoFlow hat oder andere Sensoren nutzen möchte, kann das Python-Skript entsprechend anpassen. Die Grundlogik für Energie und Klima ist universell. Ich werde das Projekt auf meinem GitHub als OpenSource zur Verfügung stellen. Wenn Du Unterstützung für die Umsetzung in Deinem Camper brauchst, dann schreibe mir einfach.
Wie wird der Raspberry Pi im Auto mit Strom versorgt?
Er hängt an der Aufbaubatterie, idealerweise über einen stabilisierten DC-DC-Wandler (12V auf 5V, min. 3A). Ein direkter USB-Anschluss wackelt oft zu sehr. Für das sichere Herunterfahren habe ich einen „Shutdown“-Button im Dashboard integriert.
Ausblick
Das System läuft mittlerweile stabil im Fahrzeug. Der Raspberry Pi bootet automatisch, verbindet sich mit den Sensoren und zeigt mir auf einen Blick:
-
-
- Ladezustand der Aufbaubatterie und Starterbatterie
- Solarertrag und Ladebooster-Leistung
- Innen- und Außentemperatur sowie Luftfeuchte
- Den Status der EcoFlow (inklusive Steuerung der Ausgänge) — derzeit noch im Simulationsmodus
- Die Neigung des Fahrzeugs mit cm-Angabe für die Keile
Im nächsten Teil dieser Serie gehe ich tiefer auf die technische Installation ein, wie man die Bluetooth-Verschlüsselung von Victron knackt und wie man den Raspberry Pi dazu bringt, robust im Fahrzeugbetrieb zu laufen – inklusive sicherem Herunterfahren über den Touchscreen.
31 Jan. 2026
Das Projekt CampervanPi, Teil 1 – Vom Arduino zum zentralen Dashboard im VW T4
Es gibt Menschen, die lassen ihr Auto einfach so, wie es vom Band gelaufen ist. Und dann gibt es Leute wie mich. Im Laufe meines Lebens hatte ich immer wieder Ideen, wie ich meine Fahrzeuge mit kleinen Projekten etwas komfortabler und individueller gestalten kann. Dass ich ein paar Jahre in der Entwicklung für Automobilelektronik tätig war, hat diesem Drang sicher nicht geschadet – im Gegenteil, es hat das Verständnis für das Machbare geschärft.
Die zweite Initialzündung für meine Bastelprojekte kam dann mit dem Arduino und seinen Derivaten. Plötzlich gab es preiswerte, einfach zu programmierende Controller mit vielen I/O-Ports und minimalen Baumaßen auf dem Markt. Sie waren prädestiniert dafür, Ideen schnell und kostengünstig umzusetzen. So entstanden über die Jahre diverse Temperaturanzeigen, Zustandsmonitore, Diagnosesysteme oder auch schon mal eine digitale Wasserwaage – mal mit eigenem kleinen Display, mal über einen Webserver direkt auf dem Smartphone.
Inhalt
Die Evolution: Der VW T4 Multivan
Mit dem Ausbau meines VW T4 Multivan änderte sich die Anforderung. Es kamen professionelle Fertigprodukte ins Spiel: Ein MPPT Solarladeregler für die Autarkie, ein Ladebooster für die Fahrt und moderne Batteriesysteme. Ich habe mich bei der Auswahl bewusst für die Modelle von Victron Energy entschieden. Nicht nur wegen ihrer Qualität, sondern vor allem, weil sie über Bluetooth kommunizieren und die Protokolle und Bibliotheken öffentlich verfügbar oder gut dokumentiert sind.
Doch mit der modernen Technik kam auch ein neues Problem: Der „App-Dschungel“.
Warum ein eigenes Dashboard?
Natürlich gibt es für fast jedes Gerät eine kostenlose App. Aber im Alltag im Camper nervt es. Man muss das Handy entsperren, die Victron-App öffnen, warten bis sie sich verbindet, und sieht dann den Ladestrom. Will man wissen, wie kalt es im Kühlschrank ist, muss man die App wechseln. Will man wissen, wie das Wetter draußen ist, braucht man wieder eine andere Anzeige.
Dazu kam der Wunsch nach Automatisierung, den keine Standard-App erfüllen kann (noch Vision):
So entstand die Idee zum MultivanPi: Ein zentrales Dashboard, das alle wichtigen Daten an einem Ort bündelt, fest im Fahrzeug verbaut ist und sofort verfügbar ist, ohne erst das Smartphone suchen zu müssen.
Die Hardware-Entscheidung: Raspberry Pi statt Arduino
Schnell wurde klar, dass der Arduino für dieses Vorhaben an seine Grenzen kommt. Ich wollte keine simplen Textzeilen auf einem LCD, sondern eine moderne, grafische Oberfläche mit Touch-Bedienung (achtet mal auf die Boxen mit den runden Ecken – ich habe sie hier in meinem Blog eingeführt und in das Projekt übernommen).
Meine Wahl fiel auf den Raspberry Pi 4B. Er bietet genug Rechenleistung für einen vollwertigen Webserver und eine flüssige Darstellung auf hochauflösenden Displays, gibt sich mit passiver Kühlung zufrieden, verbraucht aber wenig genug Strom, um im Camper-Setup zu funktionieren.
Die Kernkomponenten des MultivanPi
Der Weg zur Software: Python, HTML und Kiosk-Modus
Die technische Umsetzung folgte einem klaren Prinzip: Stabilität und Ästhetik. Das Dashboard ist keine fertige Software von der Stange, sondern eine Eigenentwicklung.
Im Hintergrund arbeitet ein Python-Backend. Dieses Skript ist das Gehirn des Systems. Es scannt permanent die Umgebung nach den Bluetooth-Signalen der Victron-Geräte (SmartShunt, MPPT, SmartSense) und entschlüsselt die Datenpakete in Echtzeit. Auch die EcoFlow Delta 3 Plus soll hier integriert werden, um den Ladestand der transportablen Powerstation zu überwachen, die ich optional mitführe.
Für die Darstellung habe ich mich gegen komplexe GUI-Frameworks und für klassisches HTML und CSS entschieden (man merkt, ich bin nicht mehr der Jüngste 😉 ). Das Frontend läuft im sogenannten „Kiosk-Modus“ auf dem Chromium-Browser. Das hat riesige Vorteile: Ich kann das Design pixelgenau anpassen. Ich habe mich für ein modernes „Dark Mode“-Design mit hohen Kontrasten entschieden, damit es auch während der Fahrt oder bei Sonnenlicht gut ablesbar ist.
Ein besonderes Feature: Das digitale Nivellieren
Ein Highlight, das ich aus meinen Arduino-Tagen übernommen und verbessert habe, ist die Nivellierungshilfe. Wer schon einmal versucht hat, einen Camper auf Keilen gerade auszurichten, kennt das Rufen zwischen Fahrer und Beifahrer: „Noch ein Stück! Nein, das war zu viel!“.
Im MultivanPi habe ich einen ADXL345 Beschleunigungssensor integriert. Er misst die Neigung des Fahrzeugs präzise. Auf dem Dashboard werden zwei digitale Libellen angezeigt – wie bei einer Wasserwaage. DAs Besondere dabei: Das System rechnet anhand des Radstands und der Spurweite meines T4 genau aus, wie viele Zentimeter ich an welchem Rad unterlegen muss, damit der Bus waagrecht steht und man nachts nicht aus dem Bett rollt.
Zugegeben, für den ‚kleinen‘ T4 ist es vielleicht etwas übertrieben, die eigentliche Idee dahinter ist, das Ganze in einem Crafter L4H3 zu implementieren.
Häufige Fragen (FAQ) zum MultivanPi
Warum hast Du Dich für den Raspberry Pi 4B entschieden?
Für die flüssige Darstellung des Dashboards auf einem 2K-Touchscreen und das gleichzeitige Auslesen mehrerer Bluetooth-Geräte bietet der Pi 4B die nötige Reserven. Ein Pi Zero wäre hier schnell an seiner Leistungsgrenze, besonders im Kiosk-Modus mit Chromium. Ich habe mich bewusst gegen den (aktuelleren) Raspberry Pi 5 entschieden, der braucht viel mehr Strom und kommt nicht wirklich mit einer passiven Kühlung aus.
Wie verbinde ich die Victron-Geräte?
Das ist das Schöne an dieser Lösung: Es müssen keine Kabel gezogen werden! Der Raspberry Pi nutzt seinen integrierten Bluetooth-Chip, um die Daten direkt von den Victron-Geräten (SmartShunt, MPPT etc.) zu empfangen. Man benötigt lediglich die „Encryption Keys“ aus der offiziellen App.
Kann ich das System auch in anderen Campern nutzen?
Absolut. Die Software ist modular aufgebaut. Wer keine EcoFlow hat oder andere Sensoren nutzen möchte, kann das Python-Skript entsprechend anpassen. Die Grundlogik für Energie und Klima ist universell. Ich werde das Projekt auf meinem GitHub als OpenSource zur Verfügung stellen. Wenn Du Unterstützung für die Umsetzung in Deinem Camper brauchst, dann schreibe mir einfach.
Wie wird der Raspberry Pi im Auto mit Strom versorgt?
Er hängt an der Aufbaubatterie, idealerweise über einen stabilisierten DC-DC-Wandler (12V auf 5V, min. 3A). Ein direkter USB-Anschluss wackelt oft zu sehr. Für das sichere Herunterfahren habe ich einen „Shutdown“-Button im Dashboard integriert.
Ausblick
Das System läuft mittlerweile stabil im Fahrzeug. Der Raspberry Pi bootet automatisch, verbindet sich mit den Sensoren und zeigt mir auf einen Blick:
Im nächsten Teil dieser Serie gehe ich tiefer auf die technische Installation ein, wie man die Bluetooth-Verschlüsselung von Victron knackt und wie man den Raspberry Pi dazu bringt, robust im Fahrzeugbetrieb zu laufen – inklusive sicherem Herunterfahren über den Touchscreen.