{"id":3350,"date":"2010-08-18T13:18:54","date_gmt":"2010-08-18T11:18:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.xtramp.de\/wp\/?p=3350"},"modified":"2013-08-07T13:21:02","modified_gmt":"2013-08-07T11:21:02","slug":"mittwoch-18-08-2010-auf-den-gaustatoppen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/xtramp.de\/wp\/mittwoch-18-08-2010-auf-den-gaustatoppen\/","title":{"rendered":"Mittwoch, 18.08.2010  Auf den Gaustatoppen"},"content":{"rendered":"<p>Leider meint es der Wetter-Troll nicht so gut mit uns, der Regen der Nacht flaut gegen morgen nur langsam ab. Die Nachfrage bei der Campingplatzbesitzerin ergab, dass der heutige Tag eher durchwachsen sein wird und erst gegen halb vier Sonne zu erwarten ist. Wir sollen uns eher auf morgen gedulden, da ist Sonne angek\u00fcndigt.<\/p>\n<p>Gegen elf h\u00f6rt es auf zu regnen und am Horizont scheint es heller zu werden. Wir \u00fcberlegen nur kurz, dann fahren wir hoch zum Parkplatz am Einstieg zum Gaustatoppen. Es ist recht k\u00fchl, die Sicht reicht nur ein paar hundert Meter. Oben vom Gaustatoppen aus soll man ein sechstel von Norwegen \u00fcberblicken k\u00f6nnen, wenn das Wetter passt. Wir hoffen auf die Vorhersage f\u00fcr heute Nachmittag, ansonsten wird unsere Bergtour halt eher als sportliche Bet\u00e4tigung einzuordnen sein.<\/p>\n<p>Nach wenigen hundert Metern verschwindet der Weg in einem Ger\u00f6llfeld, eine Richtung ist durch einzelne, mit aufgepinseltem roten &#8218;T&#8216; markierte Felsbrocken und vereinzelt aufgeschichtete Steinm\u00e4nnchen zu erkennen. So arbeiten wir uns Meter um Meter in die H\u00f6he, ca. 750 H\u00f6henmeter gilt es zu \u00fcberwinden. Eigentlich sind es eher mehr, denn teilweise f\u00fchrt der Pfad auch abw\u00e4rts, um dann wieder steil aufzusteigen. Nach ca. 150 H\u00f6henmetern haben wir die Wolkenbasis erreicht und tauchen ein in eine milchige Suppe, die die Sichtweite auf knapp 50 Meter herabsetzt. Zwei junge Burschen \u00fcberholen uns, w\u00e4hrend wir versuchen, die bequemste Linie \u00fcber die Felsbrocken zu finden. Etwas weiter oben holen wir die beiden wieder ein, die beiden haben eine Pause eingelegt und genie\u00dfen einen Kaffee aus der Thermoskanne. Eine gute Idee, die wir ein paar Meter weiter oben nachmachen. Wir suchen uns einen passenden Sitzplatz, packen den Rucksack aus und genie\u00dfen Wurstbrot und Salat. Frisch gest\u00e4rkt geht es dann weiter. Es braucht noch ein gutes St\u00fcck, ehe die Beiden uns wieder einholen und wir sie wiederum passieren lassen. Ab und an sind Steins\u00e4ulen aufgeschichtet, auf denen mit Bild und dreisprachigem Text auf die Besonderheiten des Gaustatoppen hin. Eine gute Idee, finde ich.<\/p>\n<p>Je weiter wir nach oben kommen, umso mehr frischt der Wind auf, w\u00e4hrend die Sicht eher weniger wird. Die feuchte Luft innerhalb der Wolke schl\u00e4gt sich auf Kleidung und Brille nieder.<\/p>\n<p>Nach einem anspruchsvollen, steilem St\u00fcck ist es dann geschafft: Wir stehen vor einem gro\u00dfen Eisentor mit einem Zettel au\u00dfen dran, der auf die letzte Fahrt der Bahn hinweist. Hier wurde f\u00fcr milit\u00e4rische Zwecke eine Bahn in den Fels gehauen, die von Rjukan heraufkommt und nur ab und an in Betrieb ist.<\/p>\n<p>Ich versuche das Tor zu \u00f6ffnen, was mir aber nicht gelingt. Aber kaum sind wir ein paar Meter weg, da \u00f6ffnet sich das Tor uns spuckt 4 junge Holl\u00e4nder aus. Aus den Augenwinkeln sehe ich noch eine f\u00fcnfte Person, die aber wieder in der T\u00fcr verschwindet. Da diese offen bleibt, gehe ich zur\u00fcck und werfe einen Blick hinein. Zu sehen ist nur ein langer, beleuchteter Gang.<\/p>\n<p>Die Holl\u00e4nder fragen uns nach der Bergh\u00fctte, die suchen wir auch und so stapfen wir gemeinsam den Ger\u00f6llhang hinauf. Ein paar Meter \u00fcber dem Eingang zur Bahn befindet sich eine Steins\u00e4ule, deren oberer Bereich aus Steinen der verschiedenen norwegischen Regionen besteht. Auf jedem Stein ist ein kleines Messingschild angebracht, woher er stammt und das Ganze wird auf einer gro\u00dfen Bronzetafel zusammengefasst.<\/p>\n<p>Von hier aus zeichnet sich etwas weiter oben die Silhouette eines Geb\u00e4udes ab. Das muss sie sein, die gesuchte H\u00fctte. Wir finden den Weg hinauf und auch den Eingang. Nachdem wir, wie auf einem Schild angeordnet, die Schuhe ausgezogen haben, betreten wir eine Almh\u00fctte, bestehend aus zwei gro\u00dfen R\u00e4umen, in einem davon ist ein Tresen, wo man Getr\u00e4nke, S\u00fc\u00dfigkeiten etc., aber auch Erinnerungsst\u00fccke erwerben kann.<\/p>\n<p>Ich bestelle zwei Waffeln, einen Tee und einen Kakao. Die Waffeln werden von einem jungen Mann frisch gemacht, wof\u00fcr er Wasser in einen Eimer f\u00fcllt und den Inhalt von zwei gro\u00dfen Beuteln dazugibt. Das Ganze versieht er mit seiner pers\u00f6nlichen Note, indem er noch ein wenig Schokoladenpulver dazugibt. Da Ganze verr\u00fchrt er dann und gibt es in die vier bereitstehenden Waffeleisen. Zwei gro\u00dfe Sch\u00fcsseln voller Marmelade bieten einen s\u00fc\u00dfen Aufstrich an.<\/p>\n<p>Geschmeckt haben sie so gut, dass ich f\u00fcr mich gleich noch eine nachgeordert habe. Mit den Waffeln gest\u00e4rkt und vom Tee aufgew\u00e4rmt entschlie\u00dfe ich mich, den Gipfel zu bezwingen. Elisabeth \u00fcberlegt kurz und kommt dann mit. An einem Geb\u00e4ude mit eingebauten Antennen geht\u2019s steil bergauf, dann sehen wir einen Grad vor uns. Die steil abfallenden Flanken und die fehlende Sicht veranlassen Elisabeth, dann doch umzukehren, obwohl es nur noch 50 H\u00f6henmeter bis zum Gipfel sind. So mache ich mich alleine auf den Weg. Aufgrund der fehlenden Sicht wird mir nur St\u00fcck um St\u00fcck bewusst, dass es l\u00e4nger dauert als vermutet. Der Weg gewinnt nur langsam an H\u00f6he, um so schneller jedoch am Schwierigkeitsgrad. Teilweise klettert man zwischen gro\u00dfen Felsbrocken durch, teilweise balanciert man \u00fcber schr\u00e4ge Felsquader am Kamm entlang. Das Ganze dehnt sich dann doch noch auf 1,2km L\u00e4nge aus. Jeder Schritt will gut \u00fcberlegt sein, das Gestein ist feucht und teilweise glitschig. Gut dass ich mit dem passenden Schuhwerk unterwegs bin. Nach einer guten halben Stunde habe ich den Gipfel dann doch erreicht. Leider nix mit der Sicht auf ein sechstel von Norwegen, daf\u00fcr windstill und total lautlos.F\u00fcr einen Moment genie\u00dfe ich die Ruhe, dann versuche ich per Selbstausl\u00f6ser ein Gipfelfoto zu schie\u00dfen. Gar nicht so einfach, wenn Brille und Objektiv in Nullkommanix beschl\u00e4gt und die Turnerei von Kamera zu Aufnahmestandort auf dem feuchten Fels gut bedacht sein will.<\/p>\n<p>Als ich mich auf den R\u00fcckweg mache, h\u00f6re ich nach kurzer Zeit Stimmen. Es sind zwei junge Burschen, die ich schon vorher auf der H\u00fctte gesehen hatte. Ihre dicken Rucks\u00e4cke haben sie nicht dabei, einer von den beiden ist mit Turnschuhen unterwegs. Der Weg scheint den beiden ebenso schwer zu fallen wie mir. Sie fragen mich, wie weit es noch ist, und wie man den Gipfel erkennt. Ich gebe Auskunft, wir verabschieden uns und jeder geht seines Wegs. Ein St\u00fcck weiter vorne haben sie ihre Rucks\u00e4cke abgestellt. Mit so einem Unget\u00fcm auf dem R\u00fccken w\u00fcrde ich den Weg auch nicht machen wollen.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck an der H\u00fctte ist Elisabeth schon voller Sorge. Obwohl ich nicht ungew\u00f6hnlich lange gebraucht habe, hat sie sich Sorgen gemacht, die 50 H\u00f6henmeter scheinen auch ihr eine viel k\u00fcrzere Zeit suggeriert zu haben.<\/p>\n<p>Der freundliche Typ von der H\u00fctte hatte sie herein gebeten und ihr angeboten, wenn er um 5 die H\u00fctte schlie\u00dft, nach mir zu suchen.<\/p>\n<p>Wir machen uns auch gleich an den Abstieg, der eher anstrengender wird als der Aufstieg. Elisabeth ist weit vor mir und ruft immer mal in die Wolkenwand nach mir. Ich gehe deutlich langsamer, der Auf- und Abstieg zum Gipfel haben viel Kraft gekostet. Der Schotter im oberen Bereich ist f\u00fcr mich schwieriger zu gehen, da ich immer mal wieder ins Rutschen komme. Als der Weg weiter unten wieder zu groben Felsbrocken wechselt, hole ich wieder auf und wir gehen den Rest der Strecke gemeinsam. Die letzten Kilometer sind dann schon eine echte Strapaze. Au\u00dfen nass von der Feuchtigkeit der Wolke, innerhalb der Jacke nass geschwitzt, die Muskeln arg maltr\u00e4tiert. Am schlimmsten wird es, wenn der Parkplatz in Sichtweite kommt \u2013 so zumindest kommt es mir vor.<\/p>\n<p>Dort angelangt machen wir uns auf den R\u00fcckweg. Die Stra\u00dfe \u00fcberwindet knapp 500 H\u00f6henmeter \u00fcber mehrere Haarnadelkehren, die Sicht ist gleich Null und so kommen wir nur langsam voran.<\/p>\n<p>An der Hytter angekommen, k\u00fcmmere ich mich sofort um trockene Sachen und falle gleich nach dem Abendessen v\u00f6llig k.o. ins Bett.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Leider meint es der Wetter-Troll nicht so gut mit uns, der Regen der Nacht flaut gegen morgen nur langsam ab. Die Nachfrage bei der Campingplatzbesitzerin ergab, dass der heutige Tag eher durchwachsen sein wird und erst gegen halb vier Sonne zu erwarten ist. Wir sollen uns eher auf morgen gedulden, da ist Sonne angek\u00fcndigt. 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