{"id":3288,"date":"2010-05-15T12:40:46","date_gmt":"2010-05-15T10:40:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.xtramp.de\/wp\/?p=3288"},"modified":"2014-08-11T10:05:52","modified_gmt":"2014-08-11T08:05:52","slug":"15-05-2010-rund-um-die-grenzkammstrasse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/xtramp.de\/wp\/15-05-2010-rund-um-die-grenzkammstrasse\/","title":{"rendered":"Samstag, 15.05.2010 &#8211; Rund um die Grenzkammstra\u00dfe"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Auch heute klingelt der Wecker um halb 8. Flugs aus dem Fenster gesehen: Es ist zumindest trocken und die Wolkendecke hat zwei gro\u00dfe L\u00f6cher bekommen, wo blauer Himmel durchscheint. Beim Fr\u00fchst\u00fcck planen wir erwartungsvoll den Tag. Die Grenzkammstra\u00dfe soll es heute sein. Als wir unsere Sachen aus dem Keller holen, m\u00fcssen wir feststellen, dass die Schuhe noch ordentlich nass sind. Wir h\u00e4tten sie wohl nicht am Boden, sondern etwas h\u00f6her platzieren sollen, allerdings war das Platzangebot durch eine ebenfalls hier untergebrachte Gruppe von Radlern schon recht ausgesch\u00f6pft. Na gut, dann m\u00fcssen halt mehrere Schichten Socken die Feuchtigkeit von der Haut fern halten. Als wir das Motorrad aufpacken, sehen uns an die 40 Radleraugen neugierig zu, doch die XT springt brav auf den ersten Kick an. Einen kurzen Abstecher zur Tankstelle, dann fahren wir den Berg hoch nach Livek. Diese Stra\u00dfe kann mit manchem Alpenpass mithalten und die Tatsache, dass uns bis nach Livek nur ein einziges Fahrzeug entgegen kommt, macht sie uns noch sympathischer. In Livek halten wir uns links und haben bald den Kamm erreicht. Rechter Hand haben wir einen wunderbaren Blick nach Italien. Sanft geschwungene bewaldete H\u00fcgel, auf denen wie Schiffe in einer hohen D\u00fcnung kleine Burgen, Schl\u00f6sser und Kirchen erbaut wurden. Ein paar Kurven sp\u00e4ter \u00f6ffnet sich der Blick linker Hand ins Soca-Tal und auf die gegen\u00fcberliegende Bergwelt. Ein paar Stra\u00dfenarbeiter sind dabei, die Hinterlassenschaften des Winters zu beseitigen und wenige Kurven sp\u00e4ter sehen wir linker Hand die ersten verfallenen Stellungen. Dann erreichen wir das Freilicht-Museum der Insonzo-Linie. Hier halten wir und sehen uns die Stellunge an. Unbeschreiblich, was hier die Menschen durchmachen mussten. In einem Jahrelangen Stellungskrieg wurden hier 12 Schlachten gef\u00fchrt, viele tausend Menschen fanden dabei den Tod. Bedr\u00fcckend eng, kalt und nass sind die Sch\u00fctzengr\u00e4ben, die Bunker und die unterirdischen in den Fels gemei\u00dfelten R\u00e4ume. Und wir \u00e4rgern uns \u00fcber feuchte Schuhe. Ich kann einen Besuch dieses Ortes nur empfehlen, man sollte eine Taschelampe dabei haben und ein wenig Zeit, um diesen Wahnsinn auf sich wirken lassen zu k\u00f6nnen.<br \/>\nWeiter fahren wir \u00fcber die Grenzkammstra\u00dfe, wo uns ein kalter Wind um die Ohren weht. Noch ist nicht die ganze Stra\u00dfe asphaltiert, wir finden ein letztes St\u00fcck Schotterpiste und schlagen den Weg nach Canal ein. Dort g\u00f6nnen wir uns einen Latte Macciato und ein St\u00fcck Kuchen, bevor wir uns weiter auf den Weg nach S\u00fcdosten machen, an der rechten Seite der Soca entlang. Erst passieren wir das gro\u00dfe Kunststoffwerk, dann och ein kleineres Industriegebiet, bevor wir dann eine Stra\u00dfe finden, die uns den Berg hinauf in Richtung Smartno f\u00fchrt. Irgendwo sehe ich ein Hinweisschild zu einer Burg, so nehme ich nicht den geplanten Weg nach Novo Gorica, sondern halte mich in Richtung Dobrovo. Was f\u00fcr ein Gl\u00fccksgriff. Vor uns breitet sich ein Land aus, was der Toskana \u00e4hnelt. Tausende flache H\u00fcgel, die meisten mit Weinreben bepflanzt, hunderte kleiner D\u00f6rfer, so weit das Auge reicht. Wir genie\u00dfen diesen Anblick, w\u00e4hrend wir auf der XT in sanften Kurven schwingend in das Land eintauchen. Kurz nach Medana fahren wir nach Italien, genie\u00dfen die leeren Grenzstationen und das problemlose hin und her zwischen den L\u00e4ndern. Wir folgen einem Wegweiser nach San Floriano Del Collio (die besten Entscheidungen trifft der Bauch \ud83d\ude09 und erreichen so eines der bekanntesten Weinbaugebiete dieser Region. Elisabeth m\u00f6chte gern eine Flasche Wein von da mitnehmen, ich finde eher zuf\u00e4llig einen Laden, der das gesamte Sortiment der hier ans\u00e4ssigen Weinbauern f\u00fchrt. Bei 400 Einwohnern gibt es immerhin 20 Marken. Vor allem der Sauvignon ist so ber\u00fchmt, dass er in die ganze Welt exportiert wird. Das besondere sind die kleinen Rebst\u00f6cke, die nur ein f\u00fcnftel der Ernte bringen wie in anderen Gebieten, erz\u00e4hlt mir der Verk\u00e4ufer. Ich entscheide mich f\u00fcr eine Flasche, der Verk\u00e4ufer l\u00e4sst mir einen Euro nach und ich verstaue die wertvolle Fracht in der Regenhose im Koffer, die heute mal nicht zur Abwehr der Feuchtigkeit von oben, sondern zum Schutz des edlen Tropfens eingesetzt wird.<br \/>\nWeiter geht es in Richtung Slowenien, \u00fcber die Isonzo (wie die Soca hier genannt wird), durch die Innenstadt von Gorica nach Novo Gorica und somit wieder auf slowenischen Boden. Hier finden wir einen Hinweis auf die h\u00f6chste Steinbogenbr\u00fccke der Welt. Ich w\u00e4re fast vorbei gefahren, Elisabeth hat sie noch entdeckt und so halten wir an und bewundern das Bauwerk, das um die Jahrhundertwende des 20. Jahrunderts erbaut wurde und heute noch immer eine historische Dampflok \u00fcber die Fluten der Soca tr\u00e4gt.<br \/>\nAuf der viel befahrenen 103 fahren wir zur\u00fcck nach Canal, wo ich mich rechts halte um die Hauptstra\u00dfe zu meiden. Einige Kilometer sp\u00e4ter durchfahren wir eine Ortschaft und finden einen Hinweis auf einen Meteoriten. Diesem folgen wir erstmal, drehen dann aber doch um, als der Wegweiser auf einen schmalen Fu\u00dfweg zeigt mit der Entfernungsangabe 30 Min.<br \/>\nAn Levpa und Kal vorbei schwingen wir uns bergauf durch Felder bevor wir in einen Wald eintauchen, der aus Buchen und lichtem Unterholz besteht. Fast m\u00e4rchenhaft sch\u00f6n, die bemoosten Wurzeln, das besondere Gr\u00fcn und die kleine gewundene Stra\u00dfe. Einen Halt legen wir ein, als wir eine H\u00f6hle entdecken, ein eingebrochener Hohlraum, wie es hier im Karstgebirge tausende gibt. Gut 25m kann ich hinabsehen, das Gestein und der Waldboden ist glitschig, weshalb ich es bei einem vorsichtigem Blick belasse.<br \/>\nWeiter geht es von nun an bergab. Durch wals und an Feldern vorbei, steile Almen, zwischendrin immer mal wieder ein einzelnes Geh\u00f6ft oder ein kleines Dorf. \u00dcber Most na Soci f\u00fchrt uns der Weg auf die 103, aber nur, um diese kurze Zeit sp\u00e4ter wieder in Richtung Tolmin zu verlassen. Auf die Dante-H\u00f6hle haben wir es abgesehen, die wir vorgestern aufgrund des Regens und der fortgeschrittenen Zeit ausgelassen haben. Heute fahren wir am Kassenh\u00e4uschen vorbei und \u00fcber die Teufelsbr\u00fccke, deren Bohlen unter den R\u00e4dern der XT klappern. An der Dante-H\u00f6hle parken wir das Motorrad und wagen uns ein St\u00fcck weit ins Innere der H\u00f6hle vor. Glitschig und na\u00df der H\u00f6hlenboden, der Hinweis, man sollte die H\u00f6hle nur mit einem F\u00fchrer begehen ist gerechtfertigt, so tasten wir uns wieder hinaus und fahren mit dem Motorrad weiter bergauf. Die Stra\u00dfe ist hier so schmal, dass ein Auto und ein Motorrad sich nicht w\u00e4hrend der Fahrt begegnen k\u00f6nnen, linker Hand geht es an die 100 Meter tief in die Schlucht, w\u00e4hrend man auf der rechten Seite an der Felswand entlang f\u00e4hrt. So taste ich mich vorsichtig um die Kurven, dass die Slowenen, zumindest was das Autofahren betrifft, italienisches Blut in den Adern haben, durften wir schon mehrfach feststellen.<br \/>\nIn Na Kritzu dann meinen wir, das Ende des Weges erreicht zu haben (sp\u00e4ter sehen wir in der Karte dass es wohl noch weiter gegangen w\u00e4re). So drehen wir um und r\u00e4tseln dar\u00fcber, weshalb hier oben am Ende der Welt von den 6 H\u00e4usern 5 dabei sind, die Betten an G\u00e4ste vermieten.<br \/>\nDoch die Abfahrt braucht die volle Konzentration, so dass der Gedanke nicht fertig gedacht werden kann. An der Dante-H\u00f6hle steht eine kleine Gruppe mit Kletterzeug, die wollen da wohl rein. An der Teufelsbr\u00fccke noch ein letzter Fotostop, dann nehmen wir von Zatolmin den Weg nach Dolje und weiter nach Volarje. In Kamno biege ich rechts ab, weil ich auf der Suche bin nach dem Ausstieg des Klettersteiges, den ich letztes Jahr mit der DR abgesteigen bin. In Vrsno halte ich mich links und werde letztendlich in Smast f\u00fcndig. Erkannt habe ich die Stelle an dem Drahtseil eines Lastenaufzuges. Das war damals meine Hoffnung, wenn ich die DR nicht runter bekomme. Da uns mittlerweile aber doch ein wenig fr\u00f6stelt, bleiben wir nicht lange stehen, sondern fahren weiter nach Kobarid \u00fcber die Napoleonbr\u00fccke und zur Unterkunt nach Idrsko. Hier hilft die W\u00e4rmekabine und eine hei\u00dfe Dusche, das Wohlbefinden wieder herzustellen. So k\u00f6nnen wir uns sogar noch mal aufraffen und nach Kobarid fahren, wo wir uns das Gebeinhaus ansehen. Dieses liegt auf einem H\u00fcgel \u00fcber Kobarid,\u00a0 ein kleines Plateau, von dem zwischen Steinarkaden Treppen zu einzelnen Terrassen f\u00fchren, die im Achteck angeordnet sind und nach oben pyramidenf\u00f6rmig zulaufen. Auf zwei Terrassen ruhen in einzelnen Nischen die sterblichen \u00dcberreste der gefallenen italienischen Soldaten. Sie sind mit Steinplatten aus Marmor verschlossen, in denen Name, Rang und eventuelle Verdienstorden eines jeden gefallenen Soldaten eingemei\u00dfelt sind. Auch hier ist es wieder bedr\u00fcckend zu lesen, wie viele junge Menschen sinnlos ihr Leben lassen mussten. Die n\u00e4chste schwarze Wolke ist schon im Anzug und p\u00fcnktlich mit den ersten Tropfen erreichen wir die Unterkunft.<br \/>\nDas leckere Abendessen rundet den Tag noch ab, der Besuch des Beinhauses l\u00e4sst mich noch lange \u00fcber den Wahnsinn der Kriege nachdenken, bevor mich der Schlaf \u00fcbermannt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auch heute klingelt der Wecker um halb 8. Flugs aus dem Fenster gesehen: Es ist zumindest trocken und die Wolkendecke hat zwei gro\u00dfe L\u00f6cher bekommen, wo blauer Himmel durchscheint. Beim Fr\u00fchst\u00fcck planen wir erwartungsvoll den Tag. Die Grenzkammstra\u00dfe soll es heute sein. 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